Gewöhnliche Wegwarte© vaivirga / Shutterstock

Wegwarte

Cichorium intybus L. var. intybus

Die Zichorie, so wird die Gewöhnliche Wegwarte (Cichorium intybus L. var. intybus) auch genannt, bezaubert durch ihre himmelblauen Blüten. Sie ist eines der häufigsten heimischen Wildkräuter und Heilpflanze des Jahres 2020, denn sie ist nicht nur bienenfreundlich und schmackhaft sondern auch heilend. Nicht zu verwechseln ist sie jedoch mit einer eng verwandten Art, Cichorium intybus var. sativa, die Wurzel- oder Kaffee-Zichorie, deren Pfahlwurzeln zu Zeiten in denen Bohnenkaffe noch als Luxus galt, verwendet wurden, um diesen zu strecken oder ganz zu ersetzen (Zichorienkaffee). Die Gewöhnliche Wegwarte selber ist nicht nur eine Salatpflanze sondern besitzt auch eine anerkannte Heilwirkung bei Appetitlosigkeit und Verdauungsbeschwerden.

Herkunft und Botanik

Da sie ihre bezaubernden Blüten nur Morgens öffnet, wird die Wegwarte im Volksmund auch als „die himmelblaue Sonnenbraut“ bekannt. Sie ist eine Pflanzenart aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae) und die Wildform der bekannten Gemüsesorten Radicchio und Endivie. Die Wegwarte ist eine 30 bis 140 cm hohe und ausdauernd krautig wachsende Pflanze, die sich gerne an den Rändern von Feldwegen zeigt. Auch ihr Gattungsname Cichorium, der sich aus dem griechischen Wort „kichorion“ ableitet, welches sich wiederum aus „kio“ (= ich gehe) und „chorion“ (= Feld) zusammensetzt, zeigt diese Eigenschaft auf. Und sie wächst nicht nur gerne an Wegrändern, man findet sie auch in Äckern und auf trockenen Wiesen. Heimisch ist die Gewöhnliche Wegwarte vor allem in Europa, Vorderasien und Nordafrika aber auch in Sibirien bis zum Baikalsee. Bei schönem Wetter und Sonne blüht die Gewöhnliche Wegwarte zartblau von Juni bis Oktober.

Inhaltsstoffe und Heilwirkung

Ihren Einsatz als Heilpflanze verdankt die Gewöhnliche Wegwarte bitteren Sesquiterpenlactonen, Cumarinen, Phenolcarbonsäuren und Inulin, einem Reservekohlenhydrat. Die enthaltenen Sesquiterpene, vor allem Guajanolide, können dabei den Appetit anregen, und die beobachtete choleretische Aktivität, was so viel heißt wie die Leberzellen zu vermehrter Sekretion von Galle anregen, unterstützt die Anwendung bei Verdauungsstörungen. Auch eine antidiabetische Wirkung wurde beschrieben, jedoch nur bei sehr hoher Dosis. Inulin ist im Übrigen für den menschlichen Organismus ein präbiotischer Ballaststoff. Beim Rösten wird Inulin, ein Gemisch von Polysacchariden aus Fructosebausteinen, teilweise in Oxymethylfurfurol umgewandelt, welches in seinem Geschmack an Kaffee erinnert, allerdings bitterer ist. Diese Eigenschaft erklärt die Verwendung der Art Cichorium intybus var. sativa als Kaffeeersatz. Auch wenn die Blätter und Blüten der Gewöhnlichen Wegwarte im Frühjahr und Sommer gerne als Salat verwendet werden, so stellen die Wurzeln der Wegwarte, medizinisch betrachtet, den interessantesten Pflanzenteil dar. Sie werden ca. von September bis Oktober geerntet und anschließend getrocknet als Tee oder Fertigarzneimittel verwendet.

Anwendungsgebiete

Die heute medizinisch anerkannte Wirkung der Gewöhnlichen Wegwarte besteht in der Verwendung bei Appetitlosigkeit und Magen-Darm-Beschwerden und somit bei leichten Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl, Flatulenz und verzögerter Verdauung. Diese Anwendung wurde auch bereits 1938 von Madaus in Form eines Wurzeltee beschrieben. Die Pflanze ist allerdings bereits seit Jahrhunderten als Heilpflanze bekannt und wurde von dem Schweizer Arzt und Alchemist Theophrastus Bombast von Hohenheim, auch Paracelsus genannt, bereits im 15 Jahrhundert auch als schweißtreibend empfohlen. Und Sebastian Anton Kneipp, bekannt für seine Wassertherapie, empfahl sie ebenfalls bei Magen-, Darm- und Lebererkrankungen. In der Pflanzenheilkunde wird die Gewöhnliche Wegwarte neben der Stimulierung und Heilung von Leber, Galle und Milz aber auch zur allgemeinen Reinigung bei Hautkrankheiten und Ekzemen angewendet. In der Bach-Blütentherapie ist sie die achte Pflanze in der Reihe und soll gegen negative Gefühle wie Selbstaufopferung, Egoismus oder Selbstmitleid helfen.